Die Zeit steht still bei Franziska Zimmermann.

Wer sich vom Grengel aus auf der Herrmann-Löns Str. knapp 500 Meter in Richtung Westen bewegt, kann eine Zeitreise in die 50er Jahre erleben. Am Ortseingang von Elsdorf, gleich hinter der Straßenkreuzung Frankfurter / Herrmann Löns- Str. steht ein Häus´chen, welches den wohl knuffigsten Lebensmittelladen beherbergt, den Porz zu bieten hat. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.



 

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Franziska Zimmermann´s Paradies.
Ein schlichtes eineinhalb- geschossiges Backsteinhaus, auf den ersten Blick kaum als Geschäftshaus zu erkennen, beherbergt ein kaufmännisches Unikum. Auf der hölzernen Eingangstür ist ein Metallschild mit dem Schriftzug "Jägermeister" zu sehen. Ein Schnapsladen? Keineswegs. Früher prangten dort noch weitere Schilder, z. B. die berühmten Emailschilder von Maggi und Persil aber die wurden von Sammlern abmontiert. Emailschilder bringen auf Flohmärkten gute Preise. Ein kleines Schaufenster und eine Markise zieren die Frontpartie des Ladens. Einen Stufentritt weiter, ein Klingelzeichen, ich betrete Franziska Zimmermann´s Paradies- und stehe im selben Moment auch schon mitten drin. Es riecht nach Wurst und Käse, und frischen Backwaren. Vor mir eine Theke, mitten drauf eine richtige, gute, alte mechanische Bizerba- Waage. Dahinter übermannshohe Regale mit allem was essbar und trinkbar ist und was man für eine gute Haushaltsführung so braucht  Alles fein säuberlich gestapelt und ausgerichtet.
"Darf et noch wat sein?"
Dann steht sie vor mir, wie eine Erscheinung aus längst vergangenen Kindertagen: Franziska Zimmermann im strahlend weißen Kauffrau- Kittel. Ihr "was darf´ et sein"? im ungekünzelten  Porzer Edelhochdeutsch weckt mich aus nostalgischen Träumen. Ich entscheide mich für drei Brötchen, und je ein Viertel Leberwurst, und  Holländer Käse. Flugs wandern die Brötchen in eine Tüte, die Wurst wird mit einem Messer abgeschnitten und gleitet mit Fettpapier auf die Bizerba Waage. Beim Käse muss ich die Schnittdicke entscheiden, bevor sie den Handhebel des antiken Käseschneiders betätigt und die Scheiben auf die Waage legt.
"Darf et noch wat sein?"
"Nein danke, dat is et."
Natürlich rattert jetzt keine Scannerkasse, Franziska Zimmermann schreibt einfach drei Zahlen auf einen Block, addiert sie und nennt mir den Kaufpreis. "Eigentlich nicht teurer als anderswo", geht mir durch den Kopf.
Brötchen im Leinenbeutel.
Franziska Zimmermann hat den Laden von ihrer Mutter übernommen. Der ursprüngliche Laden, kurz nach den Krieg gegründet, war noch wesentlich kleiner. "Damals gab es ja auch wesentlich weniger zu verkaufen" erklärt sie, als ich ungläubig blicke. Franziska Zimmermanns Tag beginnt morgens um 6 Uhr. Dann werden die frischen Brötchen angeliefert, die sie anschließend den Abonnenten in Elsdorf zustellt. Dafür hat sie eine eigene Logistik entwickelt. Wer Brötchen haben will, hängt einen Leinenbeutel an die Haustür, den sie dann mit der vereinbarten Anzahl Brötchen füllt. 
Lebensmittel und Nachrichten aus der "Stadt Gottes".
Viele ihrer Kunden sind ältere Bürger aus Elsdorf, die sich nicht gerne in das Gewühl der SB- Märkte stürzen wollen, sondern ihren Einkauf lieber mit einen Schwätzchen über dies und das in der "Stadt Gottes" verbinden. Für den Fall, das der Dialog länger dauert, hält Franziska Zimmermann eine Sitzgelegenheit im "Kundenbereich" bereit.  Auch Kinder sind häufig ihre Kunden. Zu Franziska Zimmermann kann man durchaus ein Kind mit Zettel und Kleingeld zum Einkaufen schicken, so wie das früher  Usus war. "Kinder machen das mit großer Begeisterung", sagt sie lachend, "aber versuchen Sie das mal beim Supermarkt" 
Benzin im Blut.
Dann erzählt sie von ihrer großen Leidenschaft, dem Motorsport. In viele Länder in- und außerhalb Europas ist sie als Managerin des MSC- Porz schon gereist. Zum MSC kam sie durch ihren Bruder, einem sehr erfolgreichen Porzer Motorsportler. "Wir Zimmermänner haben halt ein wenig Benzin im Blut" ist ihre einleuchtende Erklärung.
Doch der Zeit voraus?
Kann man denn von einem solch kleinen Laden leben"? frage ich. "Man kann durchaus, wenn man sein Leben entsprechend einrichtet" antwortet sie strahlend und selbstbewusst.
Zu Hause beim prächtigen Franziska- Zimmermann- Wurstbrötchen wird mir klar, dass ich soeben eine erstklassige kaufmännische Dienstleistung erfahren habe. Ohne dass mich jemand mit einem  "was kann ich für sie tun" oder ähnlichen abgedroschenen Phrasen belabert hätte. In so fern ist Franziska Zimmermann unserer Zeit vielleicht viele Jahre voraus. . . . . .

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